Eine gelungene iPad App für Kinder: “Erstes Schreiben & Lesen”

13. März 2011 | | Keine Kommentare

Ich sondiere schon seit längerer Zeit den App-Store nach vernünftigen iPad-Apps für Kinder. Es gibt zwar grundsätzlich viele Kinder-Apps, aber wie man sich vorstellen kann, ist der größte Teil davon weder besonders unterhaltend noch pädagogisch wertvoll. Und ein liebevolles Design darf man eigentlich gar nicht erwarten.

Jetzt bin ich endlich auf eine iPad-App gestoßen, die meine Ansprüche zumindest soweit erfüllt, als dass ich die App einer besonderen Testperson – meinem Sohn – zum Ausprobieren gegeben habe. Obwohl er noch knapp unter dem Zielgruppenalter von 4+ Jahren liegt, haben wir uns mit der neuen Beute ins Kinderzimmer-Testlabor zurückgezogen.

Kurzbeschreibung “Erstes Schreiben & Lesen”
Die App soll den Umgang mit Buchstaben fördern und die Kinder beim ersten Lesen und Schreiben unterstützen und motivieren.

Basis hierfür ist (wie auch bei der Montessorium-App) die Anlauttabelle, wie sie aktuell in der Schulanfangsphase moderner Grundschulen benutzt wird. Sie hilft Erst- und Zweitklässlern in Festigung und Ausbau ihrer Fähigkeiten. Sie führt aber auch Kinder der Vorschule (oder früher) an die Buchstaben heran und bietet ihnen die Möglichkeit, sich gezielt mit ihnen auseinanderzusetzen.
Laut Angabe im iTunes-Store ist die App an Kinder mit mindestens 4 Jahren gerichtet.

Grundaufbau der iPad-App
Die App gliedert grundsätzlich sich in drei Bereiche. Alle Bereiche lassen sich unabhängig voneinander ansteuern.

1. Buchstaben erfahren mit der Anlauttabelle (Anlauttabelle auf Wikipedia: )

Im ersten Abschnitt lernen die Kinder einzelne Buchstabenformen und die korrekte Stiftführung kennen. Hier wird ihnen gleichzeitig auch die Anlauttabelle nähergebracht. In der Anlauttabelle wird jedem Buchstaben/Laut ein Bild zugeordnet. Durch bekannte Objekte fällt es den Kindern leicht, sich Buchstaben und ihren Laut zu merken.

Ablaufbeschreibung:
Sprachausgabe: “Schreibe die Buchstaben mit den Fingern nach.”
Anzeige: Der Buchstabe “A” wird groß dargestellt.
Sprachausgabe: “A wie Affe.”
Anzeige: Ein Pfeil zeigt, wo man mit dem Finger ansetzen sollte und fährt die Linienführung auf dem Buchstaben ab.
Sprachausgabe: “Jetzt bist du dran.”
Wenn man nun den Buchstaben mit dem Finger richtig nachmalt, erhält man eine optische (grüner Schmetterling) und akustische Bestätigung (z.B. “Super!”).

Folgende Buchstaben und Laute werden im ersten Teil vermittelt:
Vokale: A, E, I, O, U
Konsonanten: P, F, T, K, B, D, S, G, N, M, L, R, H, J, W, Z
Diphthonge: ei, au, eu
Umlaute: ä, ö, ü
Besondere Laute: pf, st, sp, sch, ch

Die Auswahl basiert auf einem Anlautlineal, bei dem häufig einige Buchstaben aus der alphabetischen Ordnung weggelassen werden, da sie nicht oft in der deutschen Sprache vorkommen oder für ganz kleine Kinder noch zu schwer sind.

Bis hier hat selbst mein zweieinhalbjähriger Sohn fasziniert viele der Buchstaben nachgemalt und ohne weitere Erklärungen eigenständig interagiert. Allerdings zeigte sich schnell, dass für die weiteren App-Inhalte meine Testperson dann doch noch zu jung ist.

2. Wörter aus Lauten zusammensetzen

Durch Zufall ausgewählte Wörter werden in einzelne Buchstabenlaute zerlegt und sollen danach Laut für Laut wieder zusammengesetzt werden. Die Kinder lernen dabei einzelne Laute herauszuhören und sie verstehen, wie Wörter zusammengesetzt sind. Zu jedem geschriebenen Begriff erhält das Kind direkt eine Rückmeldung und erkennt wie die jeweiligen Laute zusammengehören. Durch das Zerlegen in einzelne Buchstaben lernen Kinder immer längere Wörter zu schreiben und zu lesen.

3. Freies Schreiben mit Hilfe der Anlauttabelle


Im dritten Schritt können die Kinder anhand der Anlauttabelle frei schreiben. Dabei werden die geschriebenen Wörter nicht korrigiert. Die Kinder entscheiden eigenständig, wann ihr Wort fertig ist. Nach den geschriebenen Begriffen werden die Wörter noch einmal hintereinander eingeblendet und die Kinder lernen dann durch das Lesen die korrekte Schreibweise. Das Prinzip lautet scheinbar: „Lesen durch Schreiben“. Zur Selbstkontrolle läßt sich der Begriff anzeigen und wird vorgelesen.

Hier geht es nicht darum sofort die Wörter korrekt schreiben zu können, sondern dass die Kinder lernen, Wörter in Laute zu zerlegen und so eigenständig und einfach Wörter schreiben können. Außerdem lernen die Kinder selbstständig ihren eigenen Fortschritt zu überprüfen, da die Wörter am Ende noch mal in korrekter Schreibweise angezeigt werden. Dies stärkt Sicherheit und Selbstvertrauen.
Es gibt jeweils sieben Wörter, diese werden allerdings aus einem Pool von über fünfzig Wörtern per Zufallsprinzip zusammengestellt.

Fazit
“Erstes Schreiben & Lesen” ist eine wirklich gelungene iPad-App für Kinder ab 4 Jahren.
Die Navigation innerhalb der Bereiche ist solide gelöst. Die Kinder können nichts falsch machen. Es gibt auch keine Hürde, die bestanden werden muss, damit man zur nächsten Ansicht kommt. Wenn sie aber etwas Lösen, erhalten sie positives Feedback. Von jeder Ansicht kann man  zum nächsten Inhalt oder auch wieder zurück zur Startauswahl.

Dafür, dass die App eher pädagogisch als unterhaltend angelegt ist, macht sie wirklich Spaß und ist grafisch schlicht und schön umgesetzt.


iTunes-Link:
http://itunes.apple.com/de/app/erstes-schreiben-erstes-lesen/id422263702?mt=8
Preis: 1,59 €

Hersteller:
urbn; pockets
www.urbn-pockets.com

Nachgefragt: Schleich ist nach Angabe der Hersteller ausgewählter Kooperationspartner und nicht Auftraggeber der App.



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