Die fragwürdige User Experience der HD+-Vorspulsperre

12. Januar 2012 | | Keine Kommentare

Als UX-Profis haben wir ja öfter mal mit fragwürdigen Management- und Marketing-Entscheidungen zu kämpfen. Häufig auch mit solchen, die das Angebot, für das wir arbeiten, schlechter machen, als es aus Usersicht sein müsste. Adressgenerierung durch überflüssigen Registrierzwang ist so eine ewige Sache. Nützliche, aber mit Eigenwerbung oder überflüssigen Unternehmensinformationen vollgeballerte Smartphone-Apps sind noch eine. Und jeder, der das hier liest, hat da sicher noch mindestens ein weiteres Beispiel auf Lager.

Aber auch abseits der Internetwelt gibt es UX-Entscheidungen, die mich fassungslos machen. HD+ ist so ein Beispiel. Als HD+-Kunde soll ich im Jahr 50 Euro für Privatfernsehen in HD-Qualität zahlen. Also ich soll für ein Programm zahlen, das schon werbefinanziert ist und mich das auch durch häufige Werbeunterbrechungen in laufenden Sendungen spüren lässt. Nochmal: Ich soll 50 Euro dafür zahlen, mich im 20-Minuten-Takt von Persil und dem verrückten Frosch nerven zu lassen. Das allein ist schon fragwürdig – aber das HD-Signal ist ja schon schön scharf, da zahlt man gern auch mal für Werbesender.

Die Krönung ist allerdings die Vorspulsperre.Wenn ich bei einem der bezahlten Werbesender eine Sendung aufnehmen will, dann verhindert der Sender mit Hilfe von HD+, dass der Nutzer in der aufgenommenen Sendung spulen kann. Wenn ich eine HD-Sendung aufnehme, dann doch möglicherweise, um mir nur das Ende anzusehen, dass ich noch nicht kenne. Um zum entscheidenden Tor vorzuspulen. Oder vielleicht sogar, um meiner Freundin endlich mal diese ultrakomische Werbung mit dem verrückten Frosch zu zeigen. Ich habe verdammtnochmal 50 Euro dafür bezahlt, dass mir HD+ das verbietet? Mir und allen KUNDEN, von denen HD+ lebt? Ja, wo leben die denn?

Ich verstehe ja, dass Werbung die wichtigste Einnahmequelle der Privatsender ist. Und dass es den Werbekunden wichtig ist, dass die Zuschauer garantiert ihre Millionen Euro teuren Spots sehen. Aber haben die bei HD+ eigentlich mal darüber nachgedacht, wie unkomfortabel eine Vorspulsperre für IHREN KUNDEN ist? Also für den Abonnenten von HD+? Den Menschen, von dem die HD+-Manager leben? Diesen Menschen stößt HD+ mit einer Selbstverständlichkeit vor den Kopf, die mir unbegreiflich ist.

Herrgottnochmal, muss die TV-Wirtschaft die selben Fehler wie die Musikindustrie machen? Muss da erst ein branchenfremder Wettbewerber ein kundenfreundlicheres System rausbringen. Zum Beispiel Apple oder Google ein Internet-Fernsehen mit unbegrenzten Möglichkeiten?

 

PS: Sehr geehrte Verantwortliche bei HD+: Wachen Sie auf. Schalten Sie die Vorspulsperre einfach ab. Erlauben Sie zeitversetztes Fernsehen – denn so funktioniert Fernsehen im Jahr 2012. Der Rest von HD+ wäre die 50 Euro ja möglicherweise wert. Aber Ihren Kunden vorzuschreiben, wie sie einen aufgenommenen Film zu sehen haben – das ist nicht zeitgemäß. Ändern Sie das, oder scheitern Sie daran. Aber tun Sie es bitte schnell.


Studie “E-Commerce Checkout Usability” – Zwei Dinge, die ich gelernt habe

24. Mai 2011 | | Keine Kommentare

Auf der Heimfahrt von der IA-Konferenz habe ich mir endlich mal die E-Commerce-Studie vom Baymard-Institute angesehen. Die Studie lag schon seit ihrem Erscheinen auf meinem Schreibtisch, aber inzwischen bin ich scheinbar so papier-entwöhnt, dass ich sie erst auf mein iPad laden musste, um sie komplett zu lesen…

 

Zur Studie

Das Baymard Institute hat 10 Menschen zwischen 20 und 58 Jahren durch die Checkouts von 15 bekannten Online-Shops geschickt – hauptsächlich amerikanische Shops wie Apple, Walmart und Zappos, aber auch der deutsche Musikalienversand Thomann ist vertreten (allerdings auch mit der amerikanischen Website). Mit Beobachtung und der Think-Aloud-Methode hat Baymard dann typische Usability-Stolpersteine ausfindig gemacht.
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Eine gelungene iPad App für Kinder: “Erstes Schreiben & Lesen”

13. März 2011 | | Keine Kommentare

Ich sondiere schon seit längerer Zeit den App-Store nach vernünftigen iPad-Apps für Kinder. Es gibt zwar grundsätzlich viele Kinder-Apps, aber wie man sich vorstellen kann, ist der größte Teil davon weder besonders unterhaltend noch pädagogisch wertvoll. Und ein liebevolles Design darf man eigentlich gar nicht erwarten.

Jetzt bin ich endlich auf eine iPad-App gestoßen, die meine Ansprüche zumindest soweit erfüllt, als dass ich die App einer besonderen Testperson – meinem Sohn – zum Ausprobieren gegeben habe. Obwohl er noch knapp unter dem Zielgruppenalter von 4+ Jahren liegt, haben wir uns mit der neuen Beute ins Kinderzimmer-Testlabor zurückgezogen.
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Wie Cyberport.de AGB-Frust vermeidet.

16. Februar 2011 | | Keine Kommentare

Die Platzierung der AGB ist in jedem Checkout eine kritische Sache. Einerseits ist es eine reine Formalie, die nicht zu viel Aufmerksamkeit bekommen soll. Andererseits übersehen User die AGB-Checkbox gern. Und damit wird diese kleine Formalie oft zum Grund zur Frustration bis hin zum Abbruch des Checkout.

Der Elektronik-Versand Cyberport hat eine elegante Lösung für das Problem gefunden. Ganz im Sinne eines direkten Feedback prüft Cyberport bereits auf MouseOver über dem Absenden-Button, ob die AGB bestätigt sind – und gibt direkt einen Hinweis. Ohne neues Laden, ohne Suchen, ohne Bangen.
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Kriteriengestützte Kundenbewertungen – und wie sie Online-Shops nützen können.

14. Februar 2011 | | Keine Kommentare

Wenn es um Kundenbewertungen geht, werden Shopbetreiber oft ein wenig nervös. Sollte es überhaupt Kundenkommentare geben? Welche Form soll das Feedback haben: Freitext oder nur fünf Sterne? Wie motivieren wir unsere Kunden zu einer aussagekräftigen und hilfreichen Bewertung? Und wie gehen wir mit schlechtem Feedback um? Mit kriteriengestütztem Kundenfeedback lassen sich viele der typischen Fallstricke von Kundenbewertungen umgehen.

Was sind kriteriengestützte Kundenbewertungen?

Grundsätzlich verstehe ich unter kriteriengestützten Kundenbewertungen alle Feedbacksysteme, die den User neben einem Kommentartext oder eine Sternebewertung auch nach ganz konkreten Produkteigenschaften fragen. Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten:
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5 gute Sketching Apps für das iPad

6. Februar 2011 | | Keine Kommentare


SketchBook Pro
by Autodesk Inc.
iTunes Store: Link

 


Adobe Ideas
by Adobe Systems Incorporated
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Penultimate
by Cocoa Box Design LLC
iTunes Store: Link

 


Draft
by 37signals
iTunes Store: Link

 


Jot!
by Tabula Rasa
iTunes Store: Link

 

 


IA One-Sheeters – Gängige IA-Tools auf einer Seite erklärt

2. Februar 2011 | | Keine Kommentare

Nicht jeder Kunde, noch nicht einmal jeder PM in einem UX-Projekt kann mit Begriffen wie Mental Model, User Flow oder Content-Übersicht etwas anfangen. Als Informationsarchitekt oder UX-Professional steht man deshalb hin und wieder vor der Aufgabe, anderen Projektbeteiligten erklären zu müssen seine eigenen Deliverables, was man eigentlich tut, wofür man es tut und welcher Form die Ergebnisse haben werden.

Auf IA One Sheeters gibt es deshalb Spickzettel für einige der wichtigsten IA/UX-Deliverables. Auf einer Seite werden unsere alltäglichen Werkzeuge beschrieben und teilweise mit einem Bild erklärt. Diese Form eignet sich nicht nur prächtig für Kunden. Sondern auch für Junioren und Quereinsteiger. Die One Sheeters sind aber auch hervorragend geeignet, um selbst entwickelte, neue Tools zu präsentieren.


Inception-App – neuer Nutzungsanreiz mit jedem Update

31. Januar 2011 | | Keine Kommentare

Mittlerweile gehört zum Standard-Marketing-Repertoire großer Hollywood-Produktionen, iPhone-Apps als Werbemittel einzusetzen. Über die Kreativität und den Sinn so einer Maßnahme will ich gar keine großen Worte verlieren. Ich bin jedoch überzeugt, dass ich nicht der einzige User bin, der solche Apps nur ein einziges Mal öffnet und dann entweder sofort oder irgendwann wieder löscht.

Was die Inception App anders macht

Bei der App zu Christopher Nolans gefeiertem Blockbuster “Inception” ist das ein bisschen anders. Denn diese App ist nicht einfach nur ein kleines Spielchen. Sie hat ein verhältnismäßig einfallsreiches Konzept – auch wenn RjDj dieses Konzept schon seit Monaten besetzt hat, auch mit Soundtracks bekannter Künstler wie AIR. Das allein allerdings garantiert noch lange nicht, dass die App regelmäßig genutzt wird.

Allerdings sind bei der Inception-App einzelne Level, sogenannte Träume, nicht schon im ersten Release enthalten gewesen. Erst nach den ersten Updates wurde die App erweitert. Jedes Update liefert dem User so einen erneuten Anreiz, die App zu nutzen und die neuen Träume auszuprobieren.

So eine schrittweise Veröffentlichung ist im Marketing oder bei Games wie WoW natürlich nichts neues. Und dass eine App nach einem Update neue Features hat, ist auch nicht überraschend. Aber dass Inhalte künftiger Updates bereits in der ersten Version veröffentlicht werden, ist neu – mir zumindest. Gibt es da noch weitere Beispiele?

In jedem Fall bin ich davon überzeugt, dass sich Updates hervorragend als Anreiz eignen, um auch dröge Werbe-Apps mindestens ein zweites Mal zu öffnen.


Willkommen bei UX-Toolbox

13. Januar 2011 | | Keine Kommentare

UX-Toolbox ist ein Projekt von Stefan Bodeit und Gunther Baganz. Wir werden hier eine Sammlung von Kleinigkeiten veröffentlichen, die uns in unserem Alltag als Informationsarchitekten begegnen: Erkenntnisse, die wir sammeln. Links, die uns helfen. Best Practices, die uns inspirieren. Und Wireframes, die wir mit anderen UXern teilen wollen.

Über Kommentare, Anregungen und eure eigenen Tipps freuen wir uns. Vor allem aber hoffen wir, dass euch dieses Blog beim Arbeiten hilft. Denn dazu ist es gedacht.

Viel Spaß,

Stefan Bodeit & Gunther Baganz