Studie “E-Commerce Checkout Usability” – Zwei Dinge, die ich gelernt habe

24. Mai 2011 | | Keine Kommentare

Auf der Heimfahrt von der IA-Konferenz habe ich mir endlich mal die E-Commerce-Studie vom Baymard-Institute angesehen. Die Studie lag schon seit ihrem Erscheinen auf meinem Schreibtisch, aber inzwischen bin ich scheinbar so papier-entwöhnt, dass ich sie erst auf mein iPad laden musste, um sie komplett zu lesen…

 

Zur Studie

Das Baymard Institute hat 10 Menschen zwischen 20 und 58 Jahren durch die Checkouts von 15 bekannten Online-Shops geschickt – hauptsächlich amerikanische Shops wie Apple, Walmart und Zappos, aber auch der deutsche Musikalienversand Thomann ist vertreten (allerdings auch mit der amerikanischen Website). Mit Beobachtung und der Think-Aloud-Methode hat Baymard dann typische Usability-Stolpersteine ausfindig gemacht.

Die Ergebnisse werden in Form von 63 handlichen Guidelines mit Beispielen, Tipps und O-Tönen präsentiert.


Zwei Erkenntnisse, die mich überrascht haben

  1. Sicherheits-sensible Eingabefelder wie Kreditkartendaten sollten auch optisch stärkere Sicherheit ausstrahlen – Guideline 30
    Obwohl es psychologisch äußerst sinnvoll und naheliegend ist, hatte ich das so konkret noch nicht gelesen: Wenn Eingaben ein besonderes Vertrauen des Users erfordern, dann sollten die dazugehörigen Felder auch optisch geschützt und verstärkt werden. Dazu kann man sie zum Beispiel in einen soliden Kasten setzen oder mit Symbolen wie einem Schloß oder einem Siegel arbeiten.
  2. Es sollte nur ein einzelnes Feld für den Namen geben – Guideline 6
    Oft wird in Formularen nach Vor- und Nachnamen getrennt gefragt. Bei der Beobachtung der Testpersonen zeigte sich, dass mehrere Testpersonen in das erste Feld ihren vollen Namen getippt hatten. Als sie beim zweiten Feld angekommen waren, mussten sie das jedesmal korrigieren. Dahinter steckt die Erkenntnis, dass Menschen Ihren Namen als Einheit verstehen, und nicht als Kombination von Vor- und Nachname.

 

Fazit

Die Studie steckt voller solcher Erkenntnisse. Sie ist gut strukturiert und lässt sich flüssig lesen. Viele Beispiele und Tipps helfen beim Verständnis. Auch wenn einige der Guidelines für erfahrene E-Commerce-Konzeptioner und UXer wenig überraschend sein werden, so lohnt es sich dennoch, die Studie zu lesen. Denn die Studie zitiert immer wieder O-Töne der Testpersonen – was manchmal unterhaltsam und immer erhellend ist.
Wer regelmäßig mit E-Commerce, Checkouts oder einfach nur mit komplexen Formularen zu tun hat, für den lohnen sich die 78 US-Dollar auf jeden Fall.



Titel: E-Commerce Checkout Usability
Autoren: Jamie Appleseed, Christian Holst (Baymard Institute)
Sprache: Englisch
Format: PDF, DIN A4
ISBN: 978-87-994365-0-7
Umfang: 144 Seiten (22 MB)
Preis: 78 US-Dollar

 



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